Warten

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W  a  r  t  e  n

dieses nervige Gefühl, was dich beschleicht,

weil es nicht reicht, daß du dir etwas wünschst.

Es wühlt dich immer wieder auf,

beinahe kannst du es fühlen,

doch mußt du wieder abkühlen,

weil du es nicht fassen kannst.

Du willst es JETZT, SOFORT,

keinen Moment kannst du mehr warten.

Doch, sobald du es hast, ist es schon wieder vorbei

und es muss etwas Neues starten.

Du bist nicht mehr darauf versessen, kurzgefaßt,

du suchst und findest bald das nächste Opfer deiner Hast.

WARTEN – allein dieses Wort ist eine Zumutung

und führt in deinem Inneren zu einer Überflutung an Emotionen.

Zugleich zeigt es jedoch die Vielzahl an Optionen,

die dir offenstehn.

Doch fast werden sie vom Winde verweht,

denn während Zeit um Zeit vergeht,

fragst du dich, was wohl entsteht,

wenn du dich entschließt, zu lernen und auszuhalten,

was dich aufregt und einfach mal verweilst –

was wohl daraus hervorgeht?

Denn im Warten, dass sich dein Wunsch erfüllt

oder eine Begegnung deine Sehnsucht stillt,

liegt dieser kleine Moment, der schmerzt.

Weil er auf eine Entscheidung hinarbeitet

und allzu oft bist du darauf nicht vorbereitet.

Geht es um dich bei allem im Leben?

Da würde ich leise Zweifel hegen.

Du möchtest ihn durchdrücken: deinen Willen.

Doch weißt du, was für dich gut ist?

Und auch, wer du in ein paar Jahren sein wirst?

Kannst du die nächsten Tage sehen

oder die Tiefe der Gedanken deines Gegenübers verstehen?

Wirst du deine Ungeduld bereuen oder dich daran erfreuen,

dein Leben einem anderen anzuvertrauen

und auf seine Güte und Weisheit zu bauen?

Diese Entscheidung verlangt alles von dir,

weil du bewußt vertrauen mußt,

dass Gott es gut mit dir meint

auch wenn die Auflösung nicht zu sehen ist,

du warten mußt oder er bestimmte Wege verneint.

Dieser Moment der Entscheidung

wird für jeden Macher zur Qual

und es ist dir alles andere als egal,

denn du hättest alles gern sofort und ideal wäre es,

wenn du nicht auf etwas oder jemanden warten müßtest,

aber du hast die Wahl.

Denn du begreiftst, dass diese Momente dich lehren

und Barmherzigkeit und Verständnis für dich

und andere in deinem Leben mehren.

In diesen Zeiten des Wartens beginnst du zu erahnen,

dass die Schikanen, die du erleidest,

indem du dich ihnen stellst und nicht vermeidest,

dich zu einem anderen werden lassen.

Dann hast du Geduld mit dem, der eilt.

Vom Schmerz der Hast wirst du geheilt.

Inneres Getriebensein wird zur Seltenheit

und deine Sehnsucht verwandelt sich in Gelassenheit.

Diese Gelegenheit führt bei dir nun zu neuer Entschiedenheit

und so steht am Ende des Wartens pure Dankbarkeit.

5/2018