schweigender Wasserfall

Wenn ich zu lange schweige und dem Anderen nicht zeige,

was wirklich in mir vorgeht,

was mich lähmt oder belebt,

nur weil mich meine Prägung gezähmt hat und ich Angst habe,

den falschen Ton zu treffen,

jemanden anzublaffen oder zu verletzen,

dann wird genau das passieren.

 

Weil ich viel zu lange schwieg und angepasst war,

wird es mit der Heftigkeit

eines tosenden Wasserfalls aus mir herausströmen.

Doch ich beharre darauf, es auszusprechen.

Denn ich muss mit den alten Mustern brechen.

 

Ich werde kurzzeitig ins andere Extrem umschlagen,

denn nur durch diese Erfahrung werde ich es wagen,

mich auf die Suche

nach der gesunden Mitte zu machen.

 

Wohl dem,

der Menschen in seiner Umgebung hat,

die die Stärke haben, das auszuhalten,

im tosenden Wasserfall ihren Stand behalten,

innehalten,

sich nicht abwenden und abschalten,

sondern ihre eigene Reaktion hinterfragen

und es wagen, ihre Empfindungen zu sagen.

 

Diese Herausforderung ist gewaltig

und faszinierend gleichermaßen,

denn keiner kann sich anmaßen,

perfekt zu sein

und den Anderen immer nur gut zu tun.

 

Auch wenn wir uns schwertun mit diesem Gedanken –

genau da entsteht Wachstum.

Unsere Wurzeln werden tiefer und stärker,

nichts wird uns so leicht umhauen,

wenn wir uns umschauen und feststellen,

wie solche Erfahrungen uns neu prägen

und zum Segen werden.

 

Deshalb traue ich mich meiner Umgebung zu,

schweige und verstecke nicht mehr,

was mich im Kern bewegt.

Nur so entstehen Denkanstöße,

neue Wege und Möglichkeiten,

sich in seiner Vielschichtigkeit zu entfalten

und ein gutes Miteinander zu gestalten.

Nov. 2018

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