altes Leid

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Vielleicht ist es Burnout oder Depression,

wer weiß das schon?

Eventuell ist es auch früherer Schmerz,

der etwas tiefer saß in deinem Herz.

 

Hast du dein Leben lang funktioniert

und nun plötzlich realisiert,

dass auf einmal nichts mehr geht

und keiner dich versteht?

 

Es ist wirklich nicht gesund,

immer etwas zu tun, Stund um Stund,

es ist die Angst, die in dir bangt und mit dir wankt,

weil du dich in der Stille plötzlich spürst.

 

Ist es nicht besser, wenn du dich mutig dorthin entführst?

Denn wovor läufst du weg?

Lauert altes Leid im Versteck?

Kannst du allein mit dir sein?

 

Oder fällt dann die Einsamkeit über dich herein,

die dich zu überfluten droht –

altes Leid aus Kindheitsnot?

Ich weiß, das kann sehr schmerzhaft sein.

 

Läufst du vor der Freundlichkeit davon,

schneller als beim Marathon,

weil dir wehtut, dass du sie nicht mehr kennst

und anstatt zu genießen, du lieber vor dem Schmerz davonrennst?

 

Hast du dich daran gewöhnt,

zu leiden, bis dein Kopf dröhnt?

Wenn du dann dich und deinen Körper nicht magst

und dir Barmherzigkeit mit dir selbst versagst,

 

kannst du dich nicht wertvoll und liebenswert fühlen.

Doch genau das würde dich samtweich umspülen.

Du könntest wieder beginnen, deine Träume zu leben,

um durch dein Leben zu schweben.

 

Du würdest stark werden und dich lieben

und allen Kummer deines Lebens annehmen und aussieben.

Denn du bist vom Anfang deines Daseins geliebt,

auch wenn immer mal etwas diesen Blick trübt.

 

Dann ziehe die Schublade auf,

lass den Tränen ihren Lauf.

Nimm das Leid in deine Hände und umsorge dich,

das macht stark und widerstandsfähig.

 

Nun schließe die Schublade wieder zu,

geh Schritt für Schritt vorwärts in aller Ruh.

Lass dir von niemandem aufdrücken, wer du bist,

sondern entdecke, was in dir ist und steh dazu.

 

Sag auch zu dem Leid ja, das dich prägte,

dieser Teil deines Herzens bedarf halt besonderer Pflege.

Setz dich der Sonne und Freundlichkeit aus,

das wirft erlernte Muster hinaus.

 

Ruhe mal, entdecke dein Wesen und trau dir zu:

Du bist wunderbar, auch wenn du nichts tust.

Vogel-Sternmiere

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Vergiß Salat und seinesgleichen,

mit Vogelmiere kannst du anderes streichen.

Was früher als Unkraut verschrien

kannst du heute als Gourmet-Gemüse ziehen.

 

Sie hat so viele Vitamine,

sammele sie fleißig wie eine Biene.

Sie schmeckt einfach köstlich nach Nuss,

iß sie mit Blättern und Stiel bis zum Schluss.

 

Probier sie aus, reinigt nicht nur deine Haut,

sehr schnell ist sie dir ganz vertraut.

Ich gebe zu, sie duftet nicht,

weil sie durch ihren Geschmack besticht.

schweigender Wasserfall

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Wenn ich zu lange schweige und dem Anderen nicht zeige,

was wirklich in mir vorgeht,

was mich lähmt oder belebt,

nur weil mich meine Prägung gezähmt hat und ich Angst habe,

den falschen Ton zu treffen,

jemanden anzublaffen oder zu verletzen,

dann wird genau das passieren.

 

Weil ich viel zu lange schwieg und angepasst war,

wird es mit der Heftigkeit

eines tosenden Wasserfalls aus mir herausströmen.

Doch ich beharre darauf, es auszusprechen.

Denn ich muss mit den alten Mustern brechen.

 

Ich werde kurzzeitig ins andere Extrem umschlagen,

denn nur durch diese Erfahrung werde ich es wagen,

mich auf die Suche

nach der gesunden Mitte zu machen.

 

Wohl dem,

der Menschen in seiner Umgebung hat,

die die Stärke haben, das auszuhalten,

im tosenden Wasserfall ihren Stand behalten,

innehalten,

sich nicht abwenden und abschalten,

sondern ihre eigene Reaktion hinterfragen

und es wagen, ihre Empfindungen zu sagen.

 

Diese Herausforderung ist gewaltig

und faszinierend gleichermaßen,

denn keiner kann sich anmaßen,

perfekt zu sein

und den Anderen immer nur gut zu tun.

 

Auch wenn wir uns schwertun mit diesem Gedanken –

genau da entsteht Wachstum.

Unsere Wurzeln werden tiefer und stärker,

nichts wird uns so leicht umhauen,

wenn wir uns umschauen und feststellen,

wie solche Erfahrungen uns neu prägen

und zum Segen werden.

 

Deshalb traue ich mich meiner Umgebung zu,

schweige und verstecke nicht mehr,

was mich im Kern bewegt.

Nur so entstehen Denkanstöße,

neue Wege und Möglichkeiten,

sich in seiner Vielschichtigkeit zu entfalten

und ein gutes Miteinander zu gestalten.

Nov. 2018