(4.) Bedürftigkeit

Bedürftigkeit

 Wir wollen stark sein und schnell.

Uns soll alles gelingen, es ist wie ein Duell,

in dem wir natürlich gewinnen wollen

und uns bitte nicht aufregen sollen,

wenn sich in uns Müdigkeit oder Schwäche regt

und nicht nur Leichtigkeit durch unser Leben fegt.

Wir versuchen um jeden Preis zu vermeiden,

dass wir an unsere Grenzen kommen und entscheiden,

weiterzukämpfen und zu hetzen,

anstatt uns einen Moment Ruhe zu gönnen,

uns zu setzen und durchzuatmen.

Da entdecken wir ein Gefühl, ich möchte es Bedürftigkeit nennen.

Es fühlt sich nicht gut an und ist vor allem daran zu erkennen,

dass wir unsere vergrabenen Sehnsüchte entdecken

und unsere Schwäche und Unzulänglichkeit, die wir gern verstecken.

Wir sehen es als einen Mangel, bedürftig zu sein

und haben oft Mitleid mit Anderen, bei denen es so scheint,

als ob sie dringend etwas brauchen, wo wir doch darüberstehen.

Dass es uns ähnlich geht, wollen wir uns nicht eingestehen.

Wenn wir innerlich in den Spiegel schauen und sehen,

wo unsere Grenzen liegen,

versuchen wir ganz schnell, uns zu verbiegen,

doch auch dann wird es neue Herausforderungen geben,

die wir nicht sofort wie einen Schatz heben.

Wir könnten lernen, diese Spannung auszuhalten,

ohne dass wir verbittern und unsere Herzen daran erkalten.

Denn nur inmitten unserer eigenen Bedürftigkeit

entdecken wir ein Kleinod,

dies zu finden tut uns Menschen not.

Denn wir nehmen uns anders wahr, sind eben mal nicht unschlagbar.

Allein dieser Zustand reicht aus, um zu begreifen,

Gott möchte unseren Charakter schleifen.

Wie lange schon haben wir uns in Kämpfen aufgerieben,

weil unsere Kraft und Möglichkeiten Begrenzungen unterliegen?

Wir begreifen mit unserem Herz, was es bedeutet, geliebt zu sein

ohne etwas zu tun und ohne den ganzen äußeren Schein.

Wir erfahren auf einmal Gehaltensein und Getragen werden,

Wertschätzung und Annahme in einem Haufen von Scherben.

Auf einmal haben wir nicht mehr das Gefühl, Bettler zu sein,

sondern entdecken Gottes Größe und erfreuen uns

an diesem kleinen Keim,

der wächst und stark wird und sich auf den besinnt,

der uns schuf und sagte:

Geliebtes Kind,

all dein Kämpfen und gewinnen wollen ist unnötig

und wird zerstreut vom Wind.

Was du brauchst, ist Zeit und einen Platz nahe am Vaterherz,

denn dort verschwindet all der Schmerz,

der sich anhäufte und dich zu immer neuen Kämpfen animierte,

was dazu führte, dass sich dein Verlust summierte.

Was dann passierte glich dem Zustand eines Hamsters im Laufrad:

Nicht ruhn, mehr tun – schneller sein, besserer Schein –

den Anschein wahren – Leben im Muster der Vorfahren –

unendlich müde werden – nur noch 1 Wunsch – sich verbergen.

Wir begreifen auf einmal: wir brauchen mehr als das.

Dieses Hamsterrad braucht einen Ausweg – irgendwas.

Kommst du dann zu Gott Vater, der dich kennt und wieder herstellt,

weil er dich mit offenen Armen empfängt

und dein müdes Herz mit seiner Freude erhellt,

dann beginnst du zu verstehen, wie er ist und was ihm vertrauen heißt

und dass diese Verbindung wirklich niemand zerreißt.

Denn mitten im Fallen werden wir aufgefangen von Jesus,

der in den Tod fiel.

Wir werden durchgetragen von Gottes Geist

mit viel Verständnis und Gefühl.

Gestärkt laufen wir weiter auf dem Weg,

doch jetzt an Gottes Hand in Richtung Ziel.

.Das ist viel mehr als wir begreifen

und wir sollten uns nicht darauf versteifen,

Gott in unserem Leben in allen Punkten zu verstehen,

doch wir können immer neue Seiten an ihm erspähen.

Und Gott wird im Vorwärtsgehen unsere Kraft sein im Leben,

nicht mit unserem gewinnsuchenden Streben,

sondern mit Blick auf den Anderen, der zählt,

weil in uns nichts schwelt und uns selbst nichts mehr fehlt.

In all unserer Bedürftigkeit haben wir jedoch nicht

unser Ziel verfehlt,

denn sie führte zu der Erkenntnis:

wir werden geliebt und wurden von ihm auserwählt.

Es war also kein Mangel, dies zu erkennen,

denn es führte uns dahin, nicht mehr alles alleine zu stemmen.

Getragen von seiner Güte möchte ich nun durchs Leben gehen,

seine Sichtweise immer mehr verstehen,

seine Wunder in meinem Alltag zulassen und nicht übersehen.

Denn er hat unzählige gute Ideen

und wie kleine Samen wird er sie in unser Leben sähen.

05/2018

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